Risiken

Unter dem Abschnitt Risiken erklären wir die wichtigsten sexuell übertragbaren Infektionen und Erkrankungen. Mit Infektionen sind die Erreger der Erkrankungen gemeint, also Bakterien oder Viren, welche durch Geschlechtsverkehr von einer Person auf die nächste übertragen werden.

Was ist eine sexuell übertragbare Infektion?

Mit dem Begriff "sexuell übertragbare Infektionen", abgekürzt STI (Englisch: sexuell transmitted infections) werden die Ursachen von Krankheiten bezeichnet, die beim Geschlechtsverkehr oder bei engem körperlichen Zusammensein übertragen werden können. Darunter fallen ganz verschiedene Erkrankungen, harmlosere und auch gefährlichere, einige davon sind für die Gesundheit bedrohlich und deshalb ist es wichtig, sie zu kennen und sich vor einer Infektion zu schützen.
Jährlich erkranken allein in den USA über 15 Millionen Menschen an sexuell übertragbaren Krankheiten. Auch in Europa steigt das Risiko für eine Infektion jährlich an und es sind vor allem junge Menschen betroffen.
Die wichtigsten sexuell übertragbaren Infektionen, Erreger oder Krankheiten sind: HIV und die Krankheit Aids, Gonorrhoe (Tripper), Chlamydien, Herpes, Lues (Syphilis), Trichomonaden und die HPV-Infektion. Auch erwähnt wird die Hepatitis B, da sie ebenfalls durch sexuellen Kontakt übertragen werden kann.

AIDS/HIV

Was ist Aids-/HIV-Infektion?
Sicher hast du bereits etwas über Aids gehört. Diese Infektionskrankheit stellt auch für Jugendliche und junge Erwachsene eine Bedrohung dar, da sie sich in erster Linie durch sexuellen Kontakt überträgt. Aktuell wird in der Schweiz mit über 20000 HIV-Infizierten gerechnet, wobei von einer gewissen Dunkelziffer (nicht erkannte Fälle) ausgegangen werden muss und die Infektionen leider weiter zunehmen.
Der wichtigste Übertragungsweg ist der Geschlechtsverkehr und deshalb sollten alle jungen Menschen über diese Krankheit informiert sein und wissen, wie man sich vor einer Ansteckung schützen kann.

Aids ist eine tödliche Krankheit. Schon ein Sexualkontakt kann ansteckend sein. Aber man kann sich auch vor einer Ansteckung schützen, ohne auf Liebe und Sexualität verzichten zu müssen. Kondom, HIV-Test und sorgfältige Partnerwahl sind die drei Möglichkeiten, mit denen man das Risiko einer HIV-Ansteckung verkleinern oder ausschliessen kann - kombiniert sind sie um so wirksamer. Jeder kann durch die Auswahl oder Kombination dieser Vorschläge sein Risiko selbst bestimmen.

Was ist AIDS?
Aids ist das Endstadium einer Infektion mit einem Virus, dem sogenannten HI-Virus oder HIV. HIV ist eine Abkürzung; H steht für Human (menschlich) I für Immundeficiency (Imunabwehrschwäche) und V für Viurs.
Bis heute kennt man zwei Virustypen (HIV 1 und 2) mit zahlreichen Untergruppen. Zwischen Ansteckung und Erkrankung vergehen ohne Behandlung im Durchschnitt zwölf Jahre. Falls eine infizierte Person von ihrer Ansteckung nichts weiss, kann sie dies unabsichtlich während dieser Zeit auf Sexualpartner übertragen. Deshalb ist es sehr wichtig, dass Personen, die sich möglicherweise mit HIV angesteckt haben, auf HIV testen lassen.
Es ist für jeden Menschen sehr wichtig, zu wissen, ob er mit dem HI-Virus infiziert ist, denn erstes ist die Infektion heute dank guter Medikamente behandelbar, wenn auch nicht heilbar, und zweitens muss er andere vor der Infektion schützen.
Weitere Informationen über HIV und Aids kannst du unter www.aids-info.ch und unter der Webseite des BAG nachlesen.

Wie kann man sich mit HIV anstecken?
HIV kann von einem Menschen zum anderen übertragen werden, in dem virushaltige Körperflüssigkeit des einen in den Körper des anderen gelangt. Es braucht zur Übertragung also eine Risikosituation (nicht wie z.B. das Grippevirus, das durch Niesen und Husten übertragen werden kann).
Bei infizierten Personen ist das Virus vor allem in Blut und Samenflüssigkeit bzw. im Scheidensekret vorhanden, in geringer Konzentration auch in Speichel, Tränen und Urin.
Übertragungswege sind vor allem der Kontakt der infizierten Flüssigkeit mit Schleimhaut (Penis, Scheide, After, Mund) oder direkt ins Blut (z.B. Nadelstichverletzung) Eine weiter Ansteckungsmöglichkeit ist die Übertragung einer Mutter auf das Kind während der Schwangerschaft, Geburt oder Stillzeit. Mit den heute zur Verfügung stehenden Medikamenten kann diese Übertragung aber erfolgreich verhindert werden. Deshalb ist es für alle Schwangeren wichtig, sich auf HIV testen zu lassen und bei einer bestehenden Infektion sich unbedingt in ärztliche Behandlung zu begeben, auch zum Wohle des Kindes.

Kein Ansteckungsrisiko besteht in folgenden Situationen:
Im Alltag: Strassenbahnen, Schulen, öffentliche Toiletten etc.
Beim Hautkontakt: Händeschütteln, Streicheln
Sport: Schwimmen, Sauna
Sexualität: Keine Ansteckungsgefahr besteht, wenn beide Partner HIV-negativ sind oder bei HIV-positiven Personen, die Medikamente gegen die Infektion nehmen und bei denen das Virus dadurch nicht mehr nachweisbar ist.
Safer sex: Geschlechtsverkehr mit Kondom ist ebenfalls bei korrekter Anwendung sicher, wenn die Safer-sex-Regeln beachtet werden. Die Anwendung des Kondoms ist aber fehleranfälig. (siehe Kondom)

Wie kann ich mich schützen?
Eine neue sexuelle Beziehung birgt die mögliche Gefahr einer HIV-Infektion in sich. Aus diesem Grund ist es wichtig, mit einem neuen Partner über HIV zu reden und allenfalls einen Test vorzuschlagen.

Du entscheidest, mit wem du Sex haben möchtest. Je besser du deinen Partner kennst, desto besser kannst du einschätzen, ob er sich auf sexuelle Risiken einlässt, ob du dich auf ihn verlassen kannst und ob er ehrlich zu dir ist. Sexuelle Abenteuer mit Unbekannten sind wie ein Motor für HIV, da es sich so ausbreiten kann. Da sind die Regeln des Safer sex wichtig: Kein sexueller Kontakt ohne zumindest den Schutz des Kondoms. Ein erhöhtes Risiko besteht auch in Situationen, in denen du nicht mehr klar überlegen kannst, was du machen möchtest, also unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen oder an Partys, wenn jemand dir etwas in ein Getränk mischen kann. Schütze dich vor solchen Situationen, bleib in Begleitung deiner Freunde, auf die du dich verlassen kannst.

Das Kondom (Pariser, Präservativ, Gummi)
Mit dem Kondom kann man sich vor der HIV-Übertragung und vor einer Schwangerschaft schützen. Leider können dabei aber Fehler unterlaufen, es kann abrutschen, reissen oder falsch angewendet werden (daher ist es auch alleine kein genügend sicheres Verhütungsmittel für Jugendliche und sollte in Kombination mit einem anderen Mittel angewendet werden). Unter dem Abschnitt Kondom als Verhütungsmittel sind die wichtigsten Anwendungsfehler beschrieben. Die Anwendung kann geübt werden, je besser man das Kondom kennt, desto sicherer ist es. Da es sich bei Aids um eine schwerwiegende, unheilbare Krankheit handelt, ist es sehr wichtig, das Risiko so gering wie möglich zu halten.
Benützt nur geprüfte Kondome und achtet auf die Gebrauchsanleitung, die der Packung beiliegt.
Kondome können auch bestellt werden unter: www.noshame.ch

Der HIV-Test
Wenn bei dir oder deinem Partner die Möglichkeit besteht, dass einer sich mit HIV infiziert haben könnte, dann lohnt es sich auf jeden Fall, einen HIV-Test machen zu lassen. Zeitpunkt: Der Test zeigt eine Infektion mit HIV frühestens nach 2-6 Wochen nach der Ansteckung an, es kann aber auch länger dauern, bis im Körper Antikörper gebildet sind, die im Test nachgewiesen werden. Daher sollte bei einem möglichen Ansteckungsrisiko der Test nach 3 Monaten wiederholt werden, um eine Infektion ganz sicher auszuschliessen. Je grösser das Risiko einer Ansteckung (ungeschützter Verkehr mit Unbekannten, Sex-tourismus, Spritzentausch, sexueller Kontakt mit Prostituierten, mit Menschen aus Ländern mit hoher HIV-Verbreitung oder mit iv-Drogenabhängigen, häufiger Partnerwechsel bzw. Gelegenheits-sex) desto wichtiger ist es, das Testergebnis nach einigen Monaten abzuwarten und den Partner bis dahin sicher vor einer möglichen Übertragung zu schützen.
Den HIV-Test kann man beim Hausarzt oder beim Frauenarzt durchführen lassen.

Chlamydieninfektion

Chlamydien sind kleine Bakterien, die beim Geschlechtsverkehr übertragen werden können. Sie sind die am häufigsten durch Sex übertragenen Bakterien; die Infektion betrifft vor allem Jugendliche und junge Erwachsene. In den USA kommt es jährlich zu ca. 3 Millionen Neuinfektionen und auch in der Schweiz steigen die Neuinfektionen von Jahr zu Jahr an.
Eine Infektion mit Chlamydien verläuft oft unbemerkt. Gelegentlich äussert sie sich mit Schmerzen beim Wasserlassen oder durch veränderten Ausfluss oder eine Zwischenblutung. Wenn die Infektion nicht behandelt wird, kann sie durch die Scheide in die Gebärmutter aufsteigen und weiter Eileiter und Eierstöcke betreffen, was zu langanhaltenden Unterbauchschmerzen und bei Verklebung der Eileiter zu Unfruchtbarkeit führen kann.
Für die Diagnose wird bei der gynäkologischen Untersuchung ein Abstrich vom Gebärmutterhals genommen und im Labor untersucht.
Die Krankheit kann, wenn sie rechtzeitig erkannt wird, mit Antibiotika behandelt und geheilt werden.

Trichomonaden

Trichomonaden sind sogenannte Einzeller, kleine Geisseltierchen, die ebenfalls weit verbreitet sind und beim Geschlechtsverkehr übertragen werden. Sie führen zu einer Infektion der Scheide mit Rötung und starkem Juckreiz, Veränderung von Ausfluss und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Durch eine Infektion mit Trichomonaden wird auch das Risiko für eine HIV-Infektion erhöht.
Diese Infektion kann bei der gynäkologischen Untersuchung festgestellt und mit Antibiotika behandelt und geheilt werden.

Humanes Papilloma Virus (HPV), genitale Warzen und die neue Impfung

Das HPV ist ein weit verbreitetes Virus, das zu verschiedenen Veränderungen im Bereich der Geschlechtsorgane führen kann. Einzelne Virustypen führen zu Warzen (Feigwarzen) im Bereich von Schamlippen, Damm und Anus, beim Mann an Penis und Anus., andere zu Veränderungen am Muttermund, die der Frauenarzt bei der gynäkologischen Untersuchung feststellen kann. Bleiben die Veränderungen am Muttermund durch Hochrisikoviren über mehrere Jahre bestehen und werden nicht behandelt, kann sich daraus Gebärmutterhalskrebs entwickeln.

Die Impfung gegen HPV
Seit 2007 ist es in der Schweiz möglich, sich gegen HPV zu impfen. Es sind zwei Impfstoffe auf dem Markt: Gardasil, der gegen vier verschiedene Virustypen gerichtet ist und Cervarix, der gegen zwei Virustypen gerichtet ist. Beide Impfstoffe schützen vor den wichtigsten zwei Virustypen, die Gebärmutterhalskrebs hervorrufen können. Der Impfstoff Gardasil schützt zusätzlich vor den wichtigsten zwei Viren, die genitale Warzen hervorrufen. In der Schweiz wird die Impfung allen Mädchen zwischen 11 und 15 Jahren empfohlen (möglichst vor dem ersten Geschlechtsverkehr), und zusätzlich allen noch nicht geimpften jungen Frauen bis 26 Jahren. Die Impfung ist kantonal geregelt und wird in den meisten Kantonen über die Schulen, den Schulärztlichen Dienst oder auch über Kinderärzte verabreicht.
Für den Impfschutz sind für Jugendliche unter 15 Jahren zwei Impfdosen, ab 15 Jahren dann drei Dosen nötig.
Die Impfung ist gut verträglich, weltweit wurden Millionen von Jugendlichen und Frauen geimpft, so dass man inzwischen über viel Wissen über die Impfung verfügt.
> Weitere Informationen: Artikel zu HPV unter Öffentlichkeitsarbeit

Gonorrhoe oder Tripper

Diese Erkrankung wird durch Bakterien (Neisseria gonorrhoea) verursacht. Zwei bis sieben Tage nach der Ansteckung kommt es zu gelb-grünlichem, eitrigen Ausfluss aus Scheide bzw. Penis und zu Schmerzen beim Wasserlassen. Die Krankheit muss behandelt werden, denn sie kann zu starken Schmerzen und bleibenden Schäden führen.
Die Bakterien können bei der Frau zur inneren Entzündung von Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcken führen, mit heftigen Unterbauchschmerzen, Abszessen und späterer Unfruchtbarkeit. Beim Mann betrifft sie meist Harnröhre und Prostata. Im weiteren Krankheitsverlauf kann die Infektion bei beiden Geschlechtern auch auf andere Organe (Leber, Gelenke) übergreifen. Bei der Frau kann die Diagnose bei der gynäkologischen Untersuchung mit einem speziellen Abstrich gestellt werden; es ist aber wichtig, dem Arzt ein allfälliges Risiko (ungeschützter Verkehr) mitzuteilen.
Die Krankheit kann mit Antibiotika behandelt und geheilt werden.

Herpes genitalis

Eine weitere Virusinfektion im Bereich der Geschlechtsorgane ist die Infektion mit Herpesviren. Meist ist es der Herpes genitalis, immer häufiger aber auch der Herpes labialis, der Herpes, den man von den sogenannten Fieberbläschen der Lippen kennt.
Die Herpesinfektion ist meist sehr schmerzhaft und störend. Drei bis sieben Tage nach einer Ansteckung kommt es zu kleinen Bläschen, oft an den Schamlippen, am Übergang zum Anus oder am Penis. Manchmal schwillt die ganze Gegend auf, so dass Wasserlassen schwierig wird und die Frauen kaum noch gehen oder sitzen können. Dazu kann Fieber und Lymphknotenschwellung (in der Leiste) sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl auftreten. Zum Glück gibt es antivirale Medikamente, die meist rasch zur Besserung führen. Das Herpes-virus bleibt aber im Körper und so können immer wieder neue Krankheitsschübe auftreten, wie bei den Fieberbläschen der Lippen. Die Flüssigkeit in den Bläschen ist ansteckend, der Kontakt damit sollte vermieden werden.
Gefährlich ist die Infektion für ein Neugeborenes, wenn es während der Geburt durch die Mutter infiziert wird. Deshalb ist es wichtig, dass Schwangere dem Frauenarzt mitteilen, wenn Hautsymptome oder Bläschen auftreten.

Syphilis oder Lues

Die Syphilis gehört zu den "klassischen" Geschlechtskrankheiten, aber leider ist auch ihre Verbreitung wieder im Zunehmen. Betroffen sind vor allem Menschen mit Risikoverhalten, so dass es oft zu Mehrfachinfektionen mit Syphilis, HIV und Gonorrhoe kommt, da sich die Infektionen auch gegenseitig begünstigen. Die Syphilis verläuft in vier Stadien, wobei sie im letzten Stadium nicht mehr heilbar ist und schwere Schäden hinterlässt. Im ersten Stadium zeigt sich die Infektion meist mit einer offenen Stelle am Geschlechtsorgan, an den Schamlippen oder am Penis. Bei Schwangeren kann die Infektion unbehandelt zu schweren Schäden beim Kind führen, deshalb werden alle schwangeren Frauen in der Schweiz auf Syphilis getestet.
Syphilis, Gonorrhoe und HIV sind sogenannte meldepflichtige Geschlechtskrankheiten.

Hepatitis B (infektiöse Gelbsucht)

Infektiöse Hepatitis ist eine Entzündung der Leber, die durch das Hepatitis-Virus verursacht wird. Es gibt verschiedene Hepatitis-Viren. Sexuell übertragbar sind das Hepatitis B-Virus (HBV) und seltener auch das Hepatitis C-Virus (HCV). Der Hauptübertragungsweg ist der direkte Blutkontakt (Spritzentausch bei Drogensüchtigen, Bluttransfusionen mit infiziertem Blut oder Berufsunfälle bei medizinischem Personal). Die Infektion kann ganz unterschiedlich verlaufen, von ganz leichten Symptomen oder sogar gar keinen bis zu einem schweren Krankheitsbild, in einigen Fällen kann sie sogar tödlich enden. Es gibt auch chronische Verläufe, bei denen die Leber langsam zerstört wird.
Das Heimtückische an dieser Infektion ist, dass der Infizierte sein Leben lang infektiös bleiben kann, auch ohne selber zu erkranken und ohne von seiner Infektion etwas zu wissen. In Europa sind in erster Linie Drogenabhängige, die sich die Infektion durch Spritzentausch zugezogen haben, von Hepatitis B betroffen.
Gegen die Hepatitis B existiert eine Schutzimpfung, die allen Jugendlichen und dem medizinischen Personal dringend empfohlen wird.